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Endometriose: Welche Behandlungs­möglichkeiten gibt es?

Unerwünschte Gebärmutterschleimhaut

Bei der gutartigen Erkrankung siedelt sich zusätzliche Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der für sie vorgesehenen Stellen an. Das kann in tieferen Wandschichten der Gebärmutter sein, aber auch außerhalb oder an ganz anderen Organen wie den Eierstöcken. Dort wachsen diese Endometrioseherde genau wie die eigentliche Gebärmutterschleimhaut unter Einfluss des Östrogens während des Zyklus an, bauen sich wieder ab und bluten parallel zur Menstruation. Das kann unbemerkt bleiben, je nach Lage der Endometrioseherde aber auch starke Beschwerden verursachen. „Das Leitsymptom der Endometriose sind Schmerzen“, sagt Dr. Hirsch von der Frauenarztpraxis am Potsdamer Platz in Berlin. Liegen diese Gewebeinseln zum Beispiel in der Muskelschicht der Gebärmutter, kann die Periode von starken Schmerzen und Krämpfen begleitet werden. Doch auch anhaltende Schmerzen sind möglich, etwa wenn sich in selteneren Fällen Auswüchse im Darm oder in der Blase finden oder es zwischen Organen zu Verwachsungen kommt.

Da Blut und Gewebe bei Herden außerhalb der Gebärmutter nicht durch die Scheide abfließen können, kann es im Bauchraum zu Blutungen, Entzündungen, Zysten und Verklebungen kommen. Viele Frauen mit Endometriose haben zudem Schwierigkeiten, schwanger zu werden – beispielsweise, weil Verwachsungen der Eierstöcke oder Eileiter vorliegen.

Wie wird behandelt?

„Bei der Behandlung geht es meistens erst einmal darum, die Regelschmerzen zu lindern“, sagt Dr. Hirsch. „Dagegen können Schmerzmittel zum Beispiel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz kommen.“

Behandlung mit Hormonen

Fallen die Beschwerden stärker aus, kommt eventuell eine hormonelle Behandlung in Betracht. Die unterschiedlichen Therapien zielen darauf ab, den Einfluss des Östrogens auf die Endometrioseherde zu schwächen. Auf diese Weise können sie die Endometrioseherde ruhigstellen. Gestagen zum Beispiel ist eine synthetische Form des Hormons Progesteron. Durch die Einnahme von Gestagenen wird dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht, daraufhin wird die Produktion von Östrogenen in den Eierstöcken blockiert. „So wird nach einiger Zeit keine Schleimhaut mehr aufgebaut,“ erklärt Dr. Hirsch.

Gestagene sind auch in der Pille zur hormonellen Schwangerschaftsverhütung enthalten. Daher beobachten einige Endometriose-Patientinnen, die die Pille zur Verhütung einsetzen, eine Verbesserung ihrer Symptome.

Eine andere Art der Hormontherapie kann durch GnRH-Analoga erfolgen. Auch sie hemmen die Bildung von Östrogenen und versetzen die Patientin vorübergehend in einen Zustand, der den Wechseljahren ähnelt. „Bei manchen Frauen treten dann allerdings Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen auf,“ so der Gynäkologe. „Um den Hormonmangel auszugleichen, kann der Arzt empfehlen, Östrogene wieder in niedriger Dosierung einzunehmen.“ Für Frauen mit Kinderwunsch ist die hormonelle Behandlung nicht geeignet.

Alternative zur Hormonbehandlung: Operation

Für Frauen, die sich – zum Beispiel aufgrund eines Kinderwunsches – keiner Hormontherapie aussetzen wollen, bieten sich verschiedene operative Eingriffe als Behandlungsoption an. Hier kommt zum Beispiel eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage. Dabei führt der Operateur durch zwei bis drei sehr kleine Schnitte in die Bauchdecke beziehungsweise den Bauchnabel das Laparoskop, eine Art Sehrohr mit Lichtquelle und Kamera, in den Bauchraum ein. Auf einem Bildschirm untersucht er den Bauchraum auf sichtbare Endometrioseherde und Verwachsungen und entfernt sie mit dem Skalpell, Wärme, elektrischem Strom oder Laserlicht.

Letzte Option Gebärmutterentfernung?

Wenn Endometrioseherde im Bereich der Gebärmutter liegen und die Beschwerden besonders stark sind, kann der Frauenarzt zu einer Entfernung der Gebärmutter raten. „Eine solche Hysterektomie kommt meist als letzte Option infrage, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren und die Familienplanung der Patientin sicher abgeschlossen ist,“ so Dr. Hirsch. Bei der Hysterektomie handelt es sich um einen schwerwiegenden operativen Eingriff, der mit Risiken und einer längeren Heilungsphase einhergeht. Patientinnen, die dazu eine ärztliche Zweitmeinung wünschen, sollten bei ihrer Krankenkasse nachfragen. Die Kosten werden von einigen gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Unser Experte:

Dr. Wolfgang Hirsch ist Gynäkologe in der Gemeinschaftspraxis für Frauenheilkunde am Potsdamer Platz in Berlin.

Mehr Infos unter: www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de/Startseite