Starke Regelblutung

23. Oktober 2017 - 11:11

Stimmt es, dass beste Freundinnen gleichzeitig ihre Menstruation kriegen?

Meine beste Freundin und ich teilen uns ein Büro. Das ist nicht nur richtig schön, es hat auch einen großen Vorteil: Wenn ich meine Tage kriege und mal wieder vergessen habe, Tampons mitzunehmen, gibt sie mir welche. Denn wir haben eigentlich immer zur gleichen Zeit unsere Regel. Kann das wirklich ein Zufall sein? Ich habe nachgeforscht.

Synchrone Menstruation durch chemische Botenstoffe?

Die erste Studie zu diesem Thema hat die amerikanische Psychologin Martha McClintock 1971 veröffentlicht. Sie untersuchte die Zyklen von 135 Frauen eines Wohnheims und kam zu dem Schluss, dass sich bei Frauen die Menstruation über mehrere Monate einander annäherte, wenn sie sich ein Zimmer teilten oder sehr eng befreundet waren. Eine Erklärung lieferte McClintock gleich mit: Die Frauen tauschten angeblich Informationen über sogenannte Pheromone aus. Das sind chemische Botenstoffe, die beispielsweise über den Geruchssinn übertragen werden.

Nun hat in der Natur ja eigentlich alles seinen Sinn, auch für die synchrone Menstruation gibt es Theorien. Zum einen könnten sich Frauen, die gleichzeitig Babys bekämen, besonders gut unterstützen. Zum anderen ist es im Tierreich bei vielen Affenarten so, dass nur das stärkste Männchen für die Fortpflanzung zuständig ist. Wenn jedoch alle Weibchen gleichzeitig empfängnisbereit sind, kommen auch mal andere Männchen zum Zug. Ganz schön unromantisch.

Alles nur eine Frage der Statistik?

Das klingt alles ausgesprochen logisch – und ist vermutlich dennoch Unsinn. Denn es gibt eine Reihe von Wissenschaftlern, die zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sind und außerdem McClintock kritisieren. Wir Frauen lassen uns nämlich nicht so gut in Zahlenreihen pressen. Einige haben nur sehr kurz ihre Periode, andere leiden unter ungewöhnlich starken Regelblutungen. Mal ist unser Zyklus 26 Tage lang, dann wieder 28 – es kommt also ohnehin zu Verschiebungen. Die hat McClintock ignoriert.Am interessantesten ist eine chinesische Studie. Wieder ein Wohnheim, aber die Wissenschaftler haben die Frauen länger begleitet. Und siehe da: Nach neun Monaten des Zusammenlebens hatten sich die Zyklen in einer Gruppe tatsächlich einander angenähert – und dann entfernten sie sich wieder voneinander. Mit einigen komplizierten statistischen Berechnungen haben die Wissenschaftler festgestellt, dass ihre Beobachtungen vermutlich einen einfachen Grund hatten: alles Zufall. Das sagen auch Forscher aus Oxford, die kürzlich Zahlen der Fruchtbarkeits-App „Clue“ auswerten durften: Bei den meisten Freundinnen hatte sich der Start der Periode voneinander entfernt.

Und was heißt das jetzt? Vielleicht sollte ich doch versuchen, künftig selbst an meine Tampons zu denken. Sicherheitshalber.

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