Starke Regelblutung

12. Oktober 2018 - 07:45

Prämenstruelles Syndrom: die anstrengenden Tage vor den Tagen

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ – diesen Ausspruch schreibt man dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum (1865 − 1910) zu. Eigentlich sehe ich das so ähnlich wie er. Doch mindestens einmal im Monat kann ich darüber nur müde lächeln. Ich frage mich dann, wie Herr Bierbaum es mit dieser Einstellung gehalten hätte, wenn er jemals selbst Erfahrungen mit dem Prämenstruellen Syndrom, kurz PMS, gemacht hätte. In diesen speziellen Tagen sehe ich es dann doch eher wie US-Sängerin Gloria Gaynor: „I will survive!“

Sexy ist anders

Denn die Beschwerden des PMS, die vier bis 14 Tage vor der Periode beginnen können, sind leider alles andere als lustig. Ich selbst kann hier „aus dem Vollen“ schöpfen: starke Unterleibs- und Rückenschmerzen, ein Ziehen in den Brüsten, ein undefinierbares allgemeines Unwohlsein und wahlweise Heißhunger oder Appetitlosigkeit. Dazu kommt dann häufig noch eine starke Müdigkeit. Sicher ist: Sexy fühlt sich anders an.

Und nicht zu vergessen die miese Laune – von starken Stimmungsschwankungen bis hin zu leicht depressiven Phasen ist alles dabei. Das ist dann leider auch für mein Umfeld nicht so einfach: Gute Freunde haben mir schon einmal liebevoll zu verstehen gegeben, dass ich an diesen Tagen wohl doch etwas anstrengend bin.

Was sagt der Experte?

Mit meinen Problemen bin ich kein Einzelfall, wie mir der Experte bestätigt. „Von dem Prämenstruellen Syndrom sind rund ein Fünftel der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen“, sagt Dr. Wolfgang Hirsch von der Frauenarztpraxis am Potsdamer Platz in Berlin. Die Beschwerden können, wie bei mir, sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. „Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Verdauungsbeschwerden, Wassereinlagerungen im Gewebe“, nennt der Gynäkologe als weitere mögliche PMS-Symptome. „Bei manchen Frauen nehmen die Beschwerden so überhand, dass sie sich in ihrem Alltag stark davon eingeschränkt fühlen“, sagt er. Oh ja. Das kommt mir bekannt vor.

Schwankungen im Hormonhaushalt

Was genau die unangenehmen Vorboten der Periode auslöst, ist noch nicht abschließend geklärt. „Es wird jedoch vermutet, dass Hormonschwankungen, die während dieser Zeit des Zyklus natürlicherweise auftreten, eine Rolle dabei spielen“, sagt Dr. Hirsch. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Symptome spätestens am zweiten Tag der Periode verschwunden sind.

Doch auch eine bislang unentdeckte Erkrankung, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, könne einige der beschriebenen Beschwerden verursachen. „Starke Unterleibsschmerzen, vor oder auch während der Periode, können ebenso wie sehr starke Regelblutungen ein Hinweis auf Endometriose sein. Bei dieser Erkrankung siedelt sich Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter an verschiedenen Organen an. Sie reagiert während der Menstruation ebenso wie die normale Gebärmutterschleimhaut und kann so starke Beschwerden verursachen.“ Daher sei es wichtig, starke PMS-Beschwerden vom Frauenarzt abklären zu lassen.

Gute Nachricht: Es gibt Hilfe

Bei mir konnte meine Ärztin zum Glück eine behandlungsbedürftige Ursache für meine Beschwerden ausschließen. Doch bin ich meinem PMS jetzt hilflos ausgeliefert? Nein, beruhigt mich Dr. Hirsch. „Meinen Patientinnen rate ich in diesem Fall zum Beispiel zum Einsatz von Heilkräutern, die sich bei vielen der typischen Beschwerden bewährt haben. Insbesondere bei Stimmungsschwankungen kurz vor der Periode kann zum Beispiel Mönchspfeffer helfen, das hormonelle Gleichgewicht wieder ins Lot zu bringen.“ Manche Frauen haben gute Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden gemacht, die PMS-Beschwerden gezielt lindern können, wie zum Beispiel Akupunktur. „Zeigen die Ansätze nicht die gewünschte Wirkung, kann eine hormonelle Therapie weiterhelfen.“

Gesünder essen, mehr bewegen

Auch äußere Faktoren können laut Dr. Hirsch dazu beitragen, dass das Prämenstruelle Syndrom in einigen Monaten stärker ausfällt als sonst. „Dazu gehören zum Beispiel Stress, Bewegungsmangel oder eine unausgewogene Ernährung.“ Also die üblichen Verdächtigen. Schade, dass es mir kurz vor der Periode immer nach Chips und Schokolade gelüstet, vorzugsweise eingekuschelt auf dem Sofa. Aber einen Versuch ist es allemal wert: Für den nächsten Monat steht an den kritischen Tagen somit die Wandertour auf dem Programm, die meine Freundin und ich schon so lange endlich mal machen wollen. Natürlich mit Gemüse-Sticks als Wegzehrung.

Ein Ende ist in Sicht

Auch wenn die Wanderaktion hinsichtlich meiner PMS-Probleme nicht den gewünschten Effekt haben sollte, eines ist sicher: Unterleibskrämpfe, Stimmungsschwankungen und Co. sind zum Glück zeitlich begrenzt. Spätestens mit dem Ende der Menopause verschwinden die Beschwerden, bestätigt mir Dr. Hirsch. Wie beruhigend. Meinen Humor werde ich mir hoffentlich deutlich länger bewahren. Vor Lachen kann der Bauch immer gerne mal schmerzen.

Unser Experte:

Dr. Wolfgang Hirsch ist Gynäkologe in der Gemeinschaftspraxis für Frauenheilkunde am Potsdamer Platz in Berlin. Mehr Infos unter: https://www.frauenaerzte-am-potsdamer-platz.de/Startseite

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