22. Mai 2018 - 08:33

Myom, Polyp, Zyste – wo ist da der Unterschied?

Eigentlich ist die Gebärmutter ja dafür da, dem zukünftigen Nachwuchs mehrere Monate ein gut behütetes Zuhause zu geben. Doch hin und wieder wächst in unserem Uterus auch etwas heran, was uns weniger Freude bereitet – und uns im schlimmsten Fall sogar mit unangenehmen Beschwerden wie starken Regelblutungen oder Unterleibskrämpfen quält. Eine Umfrage unter Freundinnen fördert dabei häufig unterschiedliche Diagnosen zutage: Die eine klagt über Myome im Uterus, bei der nächsten hat der Frauenarzt einen Polyp entdeckt. Und wie war das nochmal mit der Zyste am Eierstock, von der neulich die Kollegin erzählt hat?

Das Aussehen erinnert an einen Pilz

Ein Polyp entsteht, wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut übermäßig teilen. Sie können dann zu einem Gebilde mit Stiel heranwachsen, das ein wenig wie ein Pilz aussieht. Warum sich Polypen bilden, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Einige Experten vermuten, dass ein Ungleichgewicht der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron eine Rolle spielen könnte. Denn häufig sind Frauen in den Wechseljahren betroffen.

Mit Flüssigkeit gefüllt

Bei einer Zyste handelt es sich um eine Wucherung mit einem Hohlraum, der mit Gewebe oder einer Flüssigkeit gefüllt sein kann – zum Beispiel Gewebewasser, Eiter oder Blut. Bei Frauen finden sich Zysten zum Beispiel an den Eierstöcken. Häufig bilden sie sich in Phasen hormoneller Veränderungen, also zum Beispiel bei sehr jungen Frauen nach der Pubertät oder bei älteren Frauen nach Beginn der Wechseljahre. In vielen Fällen bilden sich Zysten von selbst wieder zurück.

Einfluss der Hormone

Beginnen Muskelzellen der Gebärmutter zu wuchern, kann daraus ein Myom entstehen. Je nach Lage der Wucherung spricht der Experte von verschiedenen Myomarten. So sitzt zum Beispiel ein intramurales Myom innerhalb der Muskelschicht. Ein submuköses Myom wiederum wächst von der Muskelschicht der Gebärmutter in die Gebärmutterschleimhaut hinein. Die Entwicklung der Myome wird durch die weiblichen Hormone beeinflusst. Da Östrogen ihr Wachstum fördert, bilden sich Myome meist zurück, wenn die Wechseljahre beginnen.

Gutartige Wucherungen

Die gute Nachricht: Bei allen drei Erkrankungen, also Myom, Polyp und Zyste, handelt es sich erst einmal um gutartige Wucherungen. Das bedeutet, dass sie – anders als ein bösartiger Krebstumor – keine Metastasen bilden. In seltenen Fällen jedoch kann es sein, dass ein Polyp oder eine Zyste entartet, also doch bösartig wird. Daher sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt auch dann angeraten, wenn die Wucherungen keine Beschwerden verursachen.

Häufig zufällig entdeckt

Beschwerdefrei trotz Wucherung? Ja, das ist tatsächlich möglich und gar nicht so selten. Die betroffenen Frauen erfahren häufig erst dann von ihrem kleinen „Untermieter“, wenn dieser zufällig bei einer Routineuntersuchung, zum Beispiel per Ultraschall, entdeckt wird.

Blutungen, Krämpfe, Druckgefühl

Je nach Lage und Größe können Zyste, Polyp oder Myom ihrer unfreiwilligen Trägerin allerdings auch ernste Beschwerden verursachen. Zu diesen gehören zum Beispiel Ausfluss, eine starke Regelblutung oder Unterleibskrämpfe. Zudem können die Störenfriede ein Druckgefühl im Unterbauch hervorrufen oder auf andere Organe drücken, sodass es Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang gibt. In anderen Fällen können sie für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verantwortlich sein – zum Beispiel, wenn ein Polyp in die Scheide hineinragt.

Gezielte und schonende Therapie

Ebenso kann eine Schwangerschaft durch Wucherungen in der Gebärmutter oder an den Eierstöcken erschwert oder sogar unmöglich gemacht werden. In den genannten Fällen wird der behandelnde Arzt wahrscheinlich dazu raten, die Geschwulst zu behandeln. Ob dabei eine medikamentöse Therapie sinnvoll ist oder der Experte eine operative Entfernung vorschlägt, hängt vom individuellen Fall ab. Doch keine Angst: Eine aufwendige Operation mit Bauchschnitt und langer Heilungsphase ist häufig nicht notwendig. Dank moderner Methoden ist zum Beispiel die Entfernung eines Myoms oder eines Polypen in vielen Fällen durch einen minimal-invasiven und vaginal durchgeführten Eingriff möglich.

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