Starke Regelblutung

26. Februar 2018 - 08:51

Menstruationsurlaub: freie Tage während der Periode?

Das Kopfweh ist seit dem Weckerklingeln wach, die Unterleibskrämpfe und Gliederschmerzen nehmen am späten Vormittag so richtig Fahrt auf. Dazu gesellt sich bald eine leichte Übelkeit … An den ersten Tagen meiner Periode fühle ich mich jeden Monat, als hätte mich ein fieser Virus erwischt. Allzu gerne würde ich mich dann mit einer Wärmflasche und Schmerzmitteln auf dem Sofa verkriechen, anstatt im lauten Büro stundenlang am Schreibtisch zu sitzen. Aber krankmelden nur, weil ich meine Tage habe? Oder vielleicht sogar einen Tag Urlaub nehmen? Dieser Gedanke kam mir bislang nicht. „Das gehört halt dazu, wenn man eine Frau ist. Augen zu und durch“, lautete bis jetzt mein Motto. Bis ich diese spannende Meldung aus Großbritannien entdeckt habe ...

Die Idee gibt es schon länger

Ein britisches Unternehmen, so hieß es in dem Artikel, biete seinen weiblichen Mitarbeiterinnen freie Tage bei Menstruationsbeschwerden an. Das klingt modern und beinahe revolutionär. Doch eine kurze Recherche im Internet zeigt: Ganz so neu ist die Idee nicht, im Gegenteil. In Japan gibt es den Menstruationsurlaub schon eine ganze Weile, genauer gesagt seit 1947. Südkorea, Indonesien und Taiwan zogen im Laufe der Jahre nach. Wie viele Tage der Menstruationsurlaub pro Monat beinhaltet und ob er bezahlt wird, bestimmen Unternehmen selbst.

Ein Zeichen der Schwäche?

Insbesondere in asiatischen Ländern scheint man uns in dieser Beziehung also schon länger einen Schritt voraus zu sein. Zumindest theoretisch. Denn nur wenige weibliche Beschäftigte, so ergaben Umfragen, nehmen das offizielle Angebot auch wahr. Die Gründe? Unterschiedlich: Einigen Frauen ist es schlicht peinlich, mit ihrem Chef über ihre Periode zu sprechen. Andere möchten nicht, dass ihre männlichen Kollegen genau Bescheid wissen, wenn „es“ mal wieder so weit ist – sei es nun aus Scham oder aus Angst vor blöden Witzen. Verbreitet scheint zudem auch die Befürchtung, dass den Frauen der Menstruationsurlaub als ein Zeichen der Schwäche ausgelegt wird. Und ihnen in Sachen Karriere gegenüber männlichen Kollegen somit (noch) einen Nachteil verschafft.

Krankmelden während der Periode?

Dann melde dich doch einfach ganz normal krank, wenn es dir an deinen Tagen so schlecht geht, wird sich nun vielleicht der eine oder andere (Mann) denken. Klar, das wäre möglich. Und vielen Frauen, die unter sehr starken Regelblutungen und Beschwerden leiden, bleibt sicher häufig keine andere Wahl. Meine innere Feministin steht der Idee allerdings ein wenig zwiespältig gegenüber. Denn schließlich ist die Periode an sich ja keine Krankheit – sondern ein ganz natürlicher Vorgang, den alle Frauen in ihren fruchtbaren Jahren einmal im Monat durchmachen. Die Einführung eines Menstruationsurlaubs in Deutschland könnte dabei helfen, dem Thema in der Gesellschaft etwas mehr Normalität zu geben.

Vorteile für den Arbeitgeber

Nicht zuletzt könnten auch die Arbeitgeber von einer solchen Regelung profitieren. Denn Frauen, die aufgrund starker Menstruationsbeschwerden ein bis zwei Tage im Monat ganz selbstverständlich zu Hause bleiben dürfen – oder wenigstens im Homeoffice arbeiten können – fühlen sich von ihrem Brötchengeber ernst genommen und als wertvolle Mitarbeiterinnen anerkannt. Ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft kann das in den übrigen Tagen des Monats nur zuträglich sein ...

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