Starke Regelblutung

16. Juli 2018 - 09:20

Die erste Menstruation – ein Grund zum Feiern!

Für viele Frauen bleibt die erste Regelblutung mindestens genauso unvergessen wie der erste Kuss, das erste Auto oder der erste Sex. Der medizinische Fachbegriff für dieses Ereignis ist übrigens Menarche, abgeleitet vom griechischen Wort für „Monatsanfang“. Irgendwann zwischen dem 10. und dem 14. Lebensjahr, durchschnittlich mit etwa 12,5 Jahren, bekommen Mädchen zum ersten Mal ihre Periode. Die meisten können sich auch Jahrzehnte später noch sehr gut an diesen Moment erinnern – so ist es auch bei mir.

Mein ganz persönliches Drama

Ich war 13 Jahre alt und kam gerade aus dem Kino. Gerade noch hatte ich die dramatische Liebesgeschichte von Leo und Kate mit der Titanic untergehen sehen, nun spielte sich in meinem Badezimmer ein ganz anderes Drama ab. Obwohl ich theoretisch wusste, was da in meinem Körper gerade vor sich ging, war ich doch erst einmal ein wenig geschockt. Gott sei Dank stand mir meine Mutter zur Seite. Sie gab mir durch ein offenes (und damals für mich etwas unangenehmes) Gespräch schnell das Gefühl, dass die Menstruation etwas ganz Natürliches ist.

Andere Länder, andere Sitten

Heute habe ich selbst eine Tochter, die bald dieses Alter erreichen wird. Und natürlich möchte auch ich ihr die Angst und die Unsicherheit nehmen und sie auf dem Weg zur Frau unterstützen – so wie es Mütter auf der ganzen Welt tun und immer taten. Denn in vielen Ländern ist dieser Zeitpunkt im Leben einer jungen Frau ein großes Ereignis und mit ganz speziellen Traditionen verbunden.

Papua-Neuguinea

Bei den Arapesh, einer Bevölkerungsgruppe auf Papua-Neuguinea, wird die erste Regelblutung der Frau im Kreis der Familie gefeiert. Als Zeichen für den neuen Lebensabschnitt bauen die Brüder für das Mädchen eine Hütte, in der sie eine Weile lebt. Ihre Arm- und Fußbänder legt sie ab: ein Symbol für den Start in einen neuen Lebensabschnitt.

Amerikanische Ureinwohner

Für die Kultur der Navajo-Indianer war die erste Menstruation einer Frau Anlass für ein vier Tage andauerndes Fest. Es symbolisierte die spirituelle und körperliche Verbindung der weiblichen Göttlichkeit mit Mutter Erde. Eine weitere Tradition bei nordamerikanischen Ureinwohnern sieht vor, dass ein nahestehendes weibliches Familienmitglied dem Mädchen einen Ring mit einem roten Stein übergibt. Das passiert ein oder zwei Monate nach der ersten Regel auf einem Fest, auf das Freunde und Verwandte eingeladen sind.

Japan

Im Land der Kirschblüte gilt die Menstruation als heiliges Zeichen und das Mädchen wird von der Familie beglückwünscht, gefeiert und beschenkt. Ihr zu Ehren wird ein traditionelles Reisgericht gekocht: Osekihan, der „Glückwunsch-Reis“. Dieser wird mit Bohnensaft rot eingefärbt. Die Tradition geht auf den alten Glauben der Japaner zurück, dass jedes Mädchen einmal in ihrem Leben, und zwar bei der ersten Blutung, über besondere Heilkräfte verfügt. Dieser Glaube wurde später vom Buddhismus verdrängt, den „Glückwunsch-Reis“ gibt es aber heute noch.

Wünsche respektieren

So schön solche Traditionen auch sind − nicht jedem Mädchen fällt es leicht, offen über das Thema Menstruation zu sprechen. Selbst für erwachsene Frauen ist es ja manchmal nicht so einfach, über Unterleibskrämpfe und starke Regelblutungen zu reden. Erlebt ein junges Mädchen ihr allmonatliches „Drama“ zum ersten Mal, ist es wichtig, dass es lernt, die neuen Vorgänge in seinem Körper zu verstehen und als etwas ganz Natürliches anzunehmen. Hilfreich ist dabei ein offenes Gespräch – am besten schon vor der ersten Menstruation, damit es etwas besser darauf vorbereitet ist. Dabei bietet sich intuitiv erst einmal eine weibliche Ansprechpartnerin an. Doch auch der Austausch mit einer männlichen Vertrauensperson kann dem Mädchen dabei helfen, unverkrampfter mit dem Thema umzugehen und der Periode den Stempel als reines „Frauending“ zu nehmen.

Wenn es bei meiner Tochter so weit ist, soll sie nur wissen, dass sie über alles mit mir reden kann – auch wenn sie sich dann doch lieber ihren Freundinnen anvertraut. Möchte sie gefeiert werden? Dann bin ich die erste, die eine ganz persönliche Menarche-Party für sie ausrichtet!

Zurück zur Übersicht