Starke Regelblutung

12. November 2018 - 10:24

Der Mond gibt den Takt der Periode an – wirklich?

Ich liebe Gespräche in der Büroküche! Während Teewasser oder Kaffee kochen ergeben sich die interessantesten Unterhaltungen. Erst letztens wieder: Eine Kollegin wollte uns ernsthaft weismachen, dass der weibliche Zyklus mit dem Mondkalender zusammenhängt. So soll Mutter Natur es vorgesehen haben, dass Frauen mit dem Neumond menstruieren und zum Vollmond ihre volle Fruchtbarkeit erreichen. Ich dachte mir nur: Donnerwetter, jetzt wird es esoterisch. Oder doch nicht? Ist da vielleicht wirklich was dran? Diesen Fragen bin ich auf den Grund gegangen …

Was sagt die Wissenschaft?

Schauen wir uns handfeste Zahlen an: Der Mond rotiert in 29,5 Tagen um die Erde, also in etwa genauso lang wie der weibliche Zyklus dauert. Moment mal, da muss ich direkt einlenken und möchte die Begriffe „durchschnittlich“ und „theoretisch“ dazwischenrufen. Denn der Zyklus läuft eben nicht immer punktgenau ab und kann von Frau zu Frau unterschiedlich lang sein – genauer gesagt, zeigt ein Großteil der Frauen hier eine Bandbreite zwischen 25 und 35 Tagen. Und das lässt sich noch erweitern, wenn man sich die Tierwelt anschaut. Wir Menschen sind schließlich nicht die einzigen Säugetiere mit einem Zyklus. Mäuse zum Beispiel haben eine Zykluslänge von fünf Tagen, Schafe von 16 und Schimpansen von 37 Tagen. Bei Elefantenkühen zieht sich der Zyklus sogar über drei bis vier Monate.

Woher stammt der Glaube?

In vielen Kulturen – und so auch in der Lehre des Ayurveda – wurde die Menstruation als wichtiges spirituelles Zeichen der Fruchtbarkeit gesehen. Immer zu Neumond versammelten sich die Frauen, um gemeinsam ihre Menstruation zu erleben und sie zu ehren. In Hütten oder Zelten kamen sie zur Ruhe und nutzten die Zeit, um Energie für den neuen Fruchtbarkeitszyklus zu tanken. Aber warum zu Neumond? Hatten damals wirklich alle Frauen gleichzeitig ihre Periode?

Wie gesagt unterscheiden sich die weiblichen Zyklen voneinander. Warum soll das früher anders gewesen sein? Darauf haben Anhänger der Mondzyklustheorie eine einfache Erklärung: Die Technisierung unserer Zivilisation hat allerhand künstliche Lichtquellen mit sich gebracht, die Einfluss auf den Biorhythmus nehmen können. Wird es zum Beispiel im Schlafzimmer nicht mehr „richtig“ dunkel, wird die Bildung des Schlafhormons Melatonin gehemmt. Da liegt es nahe zu vermuten, dass auch die Sexualhormone, die den Zyklus steuern, durch künstliches Licht beeinflusst werden können. So soll im Laufe dieser Entwicklungen bei vielen Frauen auch die natürliche Synchronität zum Mondzyklus verloren gegangen sein. Wann genau das passiert ist und ob vor der Moderne wirklich alle Frauen zu Neumond menstruiert haben, lässt sich heute schwer nachweisen. Zumindest habe ich bei meiner Recherche keine historischen Zykluskalender gefunden.

Fazit: Alles Quatsch oder ist was dran?

Auch wenn ich bei meiner Suche keine handfesten Hinweise dafür gefunden habe, dass der Mond die Periode beeinflusst: Davon auszugehen, dass wir heute alle Fragen des Universums verstehen und wissenschaftlich beantworten können – so vermessen bin ich nicht. Und schließlich haben die Anziehungskräfte des Mondes ja auch auf Ebbe und Flut einen entscheidenden Einfluss. Vielleicht hat meine Kollegin also doch recht. Zumindest habe ich es ihr zu verdanken, dass ich mich auf der Suche nach Antworten intensiver mit meiner Weiblichkeit auseinandergesetzt habe. Sich vorzustellen, dass eine höhere Macht „da oben“ den Zyklus beeinflusst, hat ja schon etwas Mystisches. Das habe ich bisher noch nie so gesehen und ich werde versuchen, mich daran zu erinnern, wenn ich mal wieder meine starke Regelblutung verfluche.

Zurück zur Übersicht